Warum Frauen anders krank werden als Männer

Männer leben kürzer, Frauen dafür kränker.

Das biologische (und soziale) Geschlecht zählt zu jenen Faktoren, die auf unsere Gesundheit einen wesentlichen Einfluss haben. Im Zuge dessen hat die Gendermedizin in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen und beschäftigt sich mit den körperlichen, sozialen und psychischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern.

Wie Erkrankungen diagnostiziert werden, wie der Krankheitsverlauf ist und wie die Behandlung (z. B. Verträglichkeit von Medikamenten) aussehen kann. Grundsätzlichen haben Frauen im Schnitt eine etwas höhere Lebenserwartung als Männer und auch bestimmte Erkrankungen treten unterschiedlich häufig auf. Besonders auffällig sind diese Unterschiede bei Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates, bei Depressionen und Krebserkrankungen.

Die ersten Ansätze in der Medizin

Ihren Ausgang hat die Gendermedizin im Bereich der Kardiologie, also bei der Beobachtung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zwischen Männern und Frauen. Vor allem im Schmerzempfinden und bei den Symptomen findet man erhebliche Unterschiede: An einem Herzinfarkt erkranken Frauen seltener und statistisch gesehen 10 Jahre später als Männer und ihre Schmerzen sind oft unspezifisch und vegetativ – bei Frauen Übelkeit, Schwindel und Müdigkeit, bei Männern Schmerzen im Arm, in der Schulter oder im Rücken. Herzinfarkte werden dadurch bei Frauen oft nicht sofort erkannt.

Weitere Erkrankungen, die mit geschlechtsspezifischen Unterschieden einhergehen:

Adipositas

In Österreich sind rund ein Drittel aller Frauen (28 Prozent) stark übergewichtig bzw. adipös, bei den Männern sind es in etwa 41 Prozent. Frauen sind hier grundsätzlich überrepräsentiert: Sie sind häufiger mit ihrem Übergewicht unzufrieden, suchen häufiger einen Arzt auf und kümmern sich eher um gesundheitliche Belange.

Krebserkrankungen

Das Risiko bis zum 75. Lebensjahr an Krebs zu erkranken ist bei Frauen deutlich niedriger, jedoch sind sie im Alter zwischen 30 und 59 Jahren häufiger davon betroffen. Die häufigsten Krebsarten bei Männern sind Prostatakarzinome, Frauen erkranken am häufigsten an Brustkrebs.

Depressionen

Bei Frauen werden psychische Störungen dreimal so häufig diagnostiziert wie bei Männern. Insgesamt ist das Risiko bei der weiblichen Bevölkerung auch generell höher, an Depressionen zu erkranken. Gründe dafür sind unter anderem hormonelle Schwankungen, aber auch die Mehrfachbelastung im Alltag (speziell bei Alleinerzieherinnen), Geschlechterrollen, negative Lebenserfahrungen oder Zusatzerkrankungen. Depressionen äußern sich bei Frauen anders als bei Männern, was mitunter daran liegt, dass Frauen eher offen über ihre Ängste sprechen und Männer ihre Symptome in den Hintergrund stellen. Das macht Depressionen bei Männern oft schwerer erkennbar.

Frauen und Männer erhalten sehr oft dieselben Medikamente mit gleicher Dosierung, wobei sich die Wirkung unterschiedlich äußern kann. Zudem ist das Risiko für Nebenwirkungen bei Frauen erhöht. Kaum berücksichtigt werden Unterschiede im Stoffwechsel sowie in der Zell- und Hormonstruktur.

Weiters wird in den meisten Studien der Mann als Prototyp herangezogen. Dies hat Konsequenzen wie etwa eine Unterrepräsentierung von Frauen in den frühen klinischen Phasen oder keine effektive Medikamentenentwicklung, die auf geschlechtsspezifische Unterschiede eingeht.