Resilienz - Die Fähigkeit Rückschläge zu bewältigen

Resilienz ist die Fähigkeit mit Rückschlägen fertig zu werden. Jeder kann Maßnahmen entwickeln, die vor einem heftigen Aufprall schützen. Wer psychisch „gewappnet“ ist, hält Belastungen und Krisen leichter stand.

Niemand ist vor Abstürzen und Schicksalsschlägen gefeit. Sie gehören zum Leben. Die einen gehen damit besser um, die anderen weniger gut. Der Grund liegt in der Resilienz – der Fähigkeit mit Rückschlägen fertig zu werden. Jeder kann Maßnahmen entwickeln, die vor einem heftigen Aufprall schützen. Wer psychisch „gewappnet“ ist, kann außergewöhnlichen Belastungen ohne negative Folgen standhalten und gelangt leichter wieder auf die Beine. Das Phänomen der Resilienz bezieht sich also auf die Abwehr von fehlangepassten Reaktionen angesichts belastender Lebensumstände.

Über die Kraft, Hindernisse zu überwinden

Resilienz leitet sich vom englischen „resilience“ ab und bedeutet Spannkraft, Widerstandsfähigkeit und Elastizität. Jeder Mensch ist prinzipiell in der Lage, resilient zu sein; d.h. auf wechselnde Lebenssituationen und  Anforderungen flexibel und angemessen zu reagieren und stressreiche, frustrierende, schwierige und belastende Situationen ohne psychische Folgeschäden zu meistern. Entscheidend dabei ist, sich im Leben nicht entmutigen zu lassen, sondern daraus zu lernen und Lösungen zu finden sowie aus den Erfahrungen als Mensch zu wachsen.  

Ein Grund- oder Urvertrauen, das sich in der Kindheit bildet, ist dabei entscheidend, aber auch die Gene bestimmen die seelische Widerstandsfähigkeit mit. Das ergab eine Studie der amerikanischen Entwicklungspsychologin Emmy E. Werner und ihrem Team, die diesen Forschungszweig begründeten. Sie verfolgten 40 Jahre lang die Entwicklungsverläufe von Kindern, die in höchst riskanten sozialen Bedingungen aufwuchsen. Während ein Teil höchst problematische Entwicklungsverläufe nahm, wuchsen die anderen zu kompetenten, psychisch gesunden, leistungsfähigen und zuversichtlichen Erwachsenen heran. Sie erwiesen sich als resilient gegenüber den Entwicklungsrisiken, die ihr Umfeld barg.

Das Grundvertrauen resilienter Menschen zeigt sich in erfolgreichen und stabilen Beziehungen zu Freunden und Partnern und in einem positiven Selbstbild. Personen, die als resilient beschrieben werden, gelten als selbstbewusst, gelassen, humorvoll, menschlich, zuversichtlich, zielorientiert, intelligent und selbstreflektiert. Diese Eigenschaften bilden das Gerüst, das uns hält, wenn das Leben aus den Fugen gerät.

Säulen zur Widerstandskraft

Forscher gehen davon aus, dass der Mensch die Fähigkeit der Resilienz bis zu einem gewissen Ausmaß erlernen bzw. steigern kann. Als Orientierungshilfe sind die sieben Säulen des „Resilienz-Konzeptes“ zu nennen: Optimismus, Akzeptanz, Lösungsorientierung, Selbststeuerung, Konsequenzen übernehmen, soziales Netzwerk und Zukunft gestalten.

Der Optimismus entsteht aus einer positiven Einstellung zum Leben. Betroffene erkennen, dass Krisen, egal wie groß sie auch scheinen, in der Regel zeitlich begrenzt sind und aus jeder Situation in Zukunft etwas Positives resultieren kann. Neue Gegebenheiten werden als Chance gesehen und Enttäuschungen als Erfahrung verbucht.

Der zweite Faktor ist die Akzeptanz der Krise, denn nur wenn die Krise erkannt und akzeptiert wird, kann sie auch bewältigt werden. Das Hinnehmen von Gegebenheiten ist die Vorstufe zur Lösungsorientierung. Probleme werden nicht als Hindernisse gesehen, sondern sie werden in Möglichkeiten und Chancen umgewandelt. Resiliente Menschen konzentrieren sich darauf, Ziele zu erreichen, Verbesserungen zu schaffen bzw. neue und  kreative Lösungen zu finden. Ob etwas als Problem oder als Chance wahrgenommen wird, ist ein Ergebnis der eigenen Denkweise. Wer resilient ist, kann in schwierigen Situationen die eigenen Emotionen besser steuern und ruhig bleiben sowie die Konsequenzen für das eigene Handeln übernehmen. Ein soziales Netzwerk spielt dabei eine wesentliche Rolle, denn wenn man jemanden hat, der einem zuhört oder einem dabei hilft, eine Lösung für das Problem zu finden, kann leichter eine Krise bewältigen.

Abschließend gilt es nach Rückschlägen die Zukunft neu zu planen. Dies setzt wiederum voraus, dass man erkennt, dass Menschen immer eine Wahl haben, wodurch die Zukunft entsprechend der eigenen Möglichkeiten geplant werden kann.

Schutzmechanismen & Psyche

Bei der Entstehung vieler psychischer Erkrankungen wie Depression, Angst oder Sucht spielen die Vergangenheit, traumatische Ereignisse und belastende Lebensumstände eine entscheidende Rolle. Resilienz hilft Menschen, Herausforderungen, Belastungen und schwierige Situationen wirkungsvoll zu meistern und dabei die psychische Gesundheit zu erhalten. Resiliente Menschen besitzen angeborene Schutzmechanismen und Selbstheilungskräfte, welche die Entwicklung von stressbedingten und psychischen Erkrankungen verhindern können. Daher wird vor allem in der therapeutischen Arbeit Wert auf die Ausbildung von Resilienz gelegt.

Innere Stärke (wieder)finden

Folgende Strategien helfen dabei, Krisen zu überstehen: Im Leben sollte man mehrere Pläne verfolgen und nicht alles auf eine Karte setzen. So können Rückschläge oder Enttäuschungen besser bewältigt werden. Freunde und ein soziales Leben sind entscheidend. Genauso wie eine positive Einstellung zum Leben. Wer das Gefühl hat, in gewissem Maß sein Leben kontrollieren zu können, der entscheidet bewusster und erlebt weniger Enttäuschungen. Bei einer Trennung oder einem Todesfall hilft es manchmal, sich vor Augen zu führen, welche Belastungen man im Leben bereits gemeistert hat und welche Strategien bei der Bewältigung damals geholfen haben.

Es gibt immer ein Plan B

Resilienz bedeutet auch zu akzeptieren, was man nicht beeinflussen und ändern kann. Wer bereit ist, durch schwierige Lebensabschnitte (unerwartete Ereignisse, Wendungen, nicht erfüllte Lebenswünsche) hindurchzugehen und seine Gefühle wie Angst oder Trauer zuzulassen, kann seinen persönlichen Erfahrungsschatz erweitern und Alternativen schaffen. Was hinter uns liegt, hat einen Sinn, der sich meist später offenbart. Diese Erkenntnis ist wichtig, denn sie ebnet den Weg zu Motivation und Zielorientierung. Resilienz macht auch versöhnlich – gegenüber dem, was uns widerfährt, gegenüber unseren Mitmenschen und natürlich uns selbst. Optimismus, Lösungsorientierung und das Übernehmen von Verantwortung sind der Schlüssel dazu.